April 4, 2025

Brecht-Fake – Teil 3

„Die Technik der Schauspieler. Sie ist sozusagen ein untrügliches Kennzeichen für den ‚Brecht-Stil‘. Dabei wird so falsch wie selbstverständlich vorausgesetzt, Brecht habe die Ratio, den Verstand, die Wissenschaft anstelle des Gefühls gesetzt; Stanislawski dagegen das Gefühl, die Leidenschaft, die Seelentiefe gegen die Ratio. […]

Stanislawski sah den Ausgangspunkt des Schauspielers nicht im Gefühl, sondern in der Handlung, die er physische Handlung nannte. Er meinte, bevor man fühle, müsse man in seiner konkreten Situation physisch handeln. Nichts anderes meint Brecht, wenn er vorschlägt, die Figur aus Vorgängen aufzubauen. […] Es gibt keine Technik, die für das Brecht-Theater nicht verwendbar ist, wenn sie dazu dient, Widersprüche in Vorgängen so aufzudecken, daß sie für den Zuschauer genußvoll erkannt werden können und zu einer eigenen Veränderung führen. Diese Methode der Aufdeckung (Brecht nennt es Verfremdung), im Gewöhnlichen das Ungewöhnliche zu sehen, kann zum Beispiel mit Mitteln des Songs erfolgen, der Handlungsunterbrechung; sie kann aber ebenso erfolgen wie in Becketts Warten auf Godot durch eine clowneske Spielweise, die (wie Hegel einmal das Lächerliche definierte) im ‚Kontrast des Wesentlichen und seiner Erscheinung, des Zweckes und seiner Mittel‘ liegen.“

Wekwerth (1986: 317 f.)

Literatur:

Wekwerth, Manfred (1986): Brecht-Theater heute, in: Hecht, Werner (Hrsg.), Brechts Theorie des Theaters. Frankfurt am Main: Suhrkamp, S. 309–334.

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