März 22, 2022

Langeweile

Sich im Leerlauf zu befinden scheint ein unangenehmes Gefühl zu sein, zumal in einer Leistungsgesellschaft. Wer möchte schon über ein langweiliges Leben erzählen? Am besten den neugierigen Fragen von Freund:innen und Kolleg:innen zuvorkommen und instant auf Instagram die Pix vom Event-Weekend zum Liken posten, verlinkt mit coolen Hashtags (wie viele Anglizismen braucht ein Halbsatz, um nicht boring zu wirken?).

Falls die Weile aber doch einmal lange wird und sich hinterrücks anschleicht, wie damit umgehen? Eine häufig zu beobachtende Strategie: Die Langeweile durch Konsum verdrängen. Neben dem Fernsehen bieten insbesondere digitale Medien mit Netflix, YouTube, WhatsApp & Co als impulsive Steuerungsinstrumente mannigfaltige Möglichkeiten. Was würde passieren, wenn wir dieser Starr- und Touchreflexversuchung widerstehen? Lauert dann die Lücke namens Langeweile? Kann Langeweile irgendeinen Vorteil bieten? Die erstaunliche Antwort lautet: Ja! Und was für einen vorteilhaften Ausgangspunkt! Ein scheues Reh taucht dann im Dickicht des atemlosen Alltags auf: Kreativität. (Dieses Thema verdient unbedingt noch einen eigenen Beitrag auf BlogBildung.)

Also häufiger das umsetzen, was uns schon Peter Lustig am Ende der Sendung „Löwenzahn“ immer empfohlen hat: Abschalten! …

… dann die Langeweile aushalten …

… die meist ungewohnte Ruhe genießen …

… und früher oder später ist sie da: die wunderbare Welt der Kreativität.

Damit könnte man sich selbst einfach wieder mal überraschen.

Im Blog-Beitrag zu >>Jeux Dramatiques<< wurde übrigens eine theaterpädagogische Methode beschrieben, mit der einerseits Langeweile provoziert und andererseits die Kreativität angeregt werden kann.

Literatur:

Vandewater, E. A., Bickham, D. S., & Lee, J. H. (2006). Time well spent? Relating television use to children’s free-time activities. Pediatrics, 117(2), 181–191. https://doi.org/10.1542/peds.2005-0812

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